Doku Empfehlung: Bittere Ernte – Preis des billigen Kaffees

„Kaffee: einst Luxusprodukt, heute in jedem Discounter günstig zu haben. Woran liegt das? Die NDR Reportage sucht Antworten.“ (Quelle: ardmediathek.de)

Update: Der Link zur ARD geht nicht mehr, auf Youtube findet man sie aber.

Unter anderem wird gezeigt, dass der Einsatz von Pestiziden alle anderen Pflanzen auf den Kaffeefeldern zerstört, damit Maschinen zwischen den Pflanzen fahren können, welche die „teuren“ Erntehelfer ersetzen sollen.
Zum Einsatz kommt in Brasilien auch „Endosulfan“, was in der EU seit 2005 verboten ist. In Brasilien hat man die Menschen damit noch 8 Jahre länger vergiftet, da ist es erst ab 2013 verboten.
Kleiner Auszug aus Wikipedia zu Endosulfan:

Endosulfan ist eines der giftigsten Pestizide, die heute noch auf dem Markt sind. Es ist eine östrogen wirkende Verbindung, welche dadurch die Fortpflanzungsfähigkeit beeinflusst und Entwicklungsstörungen bei Föten von Tieren und Menschen verursachen kann. Ein Krebsrisiko wird diskutiert.

Endosulfan ist ein Nervengift für Insekten, aber auch für Säugetiere, also auch für den Menschen. (…)
Diese physiologische Wirkweise macht Endosulfan zu einem Nervengift. Die Symptome einer akuten Vergiftung sind Hyperaktivität, Zittern, Krämpfe, der Koordinationsverlust, Atemnot, Übelkeit und Brechreiz. In schweren Fällen treten dann Bewusstlosigkeit und der Tod ein; es sind Fälle beschrieben worden, dass bei Menschen der Tod nach einer Dosis von weniger als 35 mg/kg eingetreten ist.

Die Arbeiter haben die Gifte bis vor einigen Jahren noch ohne Schutzanzüge ausgebracht. Heute tragen sie zwar Anzüge, trinken aber Wasser aus den Bächen neben und unter den Feldern…
Zum Trocknen ausgelegte Kaffee-Kirschen werden dann noch mit Fungiziden behandelt. Die Schale wird zwar danach entfernt, trotzdem ist auch im Rohkaffee ein Chemie-Cocktail enthalten, bei dem die einzelnen Werte unter den Grenzwerten liegen. Über die Menge dessen, wieviel insgesamt an Gift durch die Zusammenstellung der einzelnen Gifte enthalten sein darf, dafür gibt es keine Grenzwerte. Und ich nehme an, wie die ganzen Gifte dann zusammen als Cocktail wirken, wie sie sich gegenseitig beeinflussen, davon hat man eh keine Ahnung. Bei der Röstung wird dann wohl ein Teil der Gifte abgebaut. Juhu.

Der Bio-faire Kaffee von einem Feld in Brasilien, was am Ende der Dokumentation gezeigt wird, ist übrigens in Ordnung!

Etwas mehr Geld ausgeben, bio-fairen Kaffee kaufen, die Arbeiter schützen, die Umwelt schützen, sich selbst schützen.
In Deutschland kriegt man Bio-fairen Kaffee zB im Lidl und im Rewe. In Österreich zB im Spar. Man muss nicht mal mehr in Bio- oder Weltläden um „guten“ Kaffee zu kaufen.

Wer mehr über Pestizide etc erfahren möchte, dem sei dringendst diese Dokumentation über Monsanto ans Herz gelegt: Monsanto – Mit Gift und Genen.

Update: Hier noch eine Dokumentation über Kaffee: Black Gold (auf englisch).
Eine Szene, die ich besonders eindrucksvoll finde, ist, wo der Sohn eines Kaffee-Bauers erzählt, warum er nicht Kaffee-Bauer werden möchte (ca. ab Minute 30): Weil der Großvater nur einen minimalen Lohn bekommen hat, weil der Vater, der sich seinen Rücken kaputt macht, keinen fairen Preis für den Kaffee bekommt und nicht genug verdient, um die Bedürfnisse seiner Familie zu befriedigen. Wenn er selbst genügend Ressourcen sammeln und sein Vater ihn unterstützen kann, möchte er eine Ausbildung machen, um ein besseres Leben zu haben und seinem Land und der Bevölkerung zu dienen. Wenn er die nötige Ausbildung bekommt, möchte er Doktor werden, aber er würde alles machen. Was er macht, das läge in den Händen Gottes. – Ob man an Gott glaubt oder nicht. Das liegt nicht in Gottes Händen, sondern in unseren. Wenn wir keinen billigen Kaffee mehr kaufen, sondern fairen, dann müssen die Unternehmen ihre Strategien überdenken und den Bauern mehr Geld zahlen. Solange wir billigen Kaffee kaufen, unterstützen wir die Unternehmen darin, die Bauern auszubeuten und in der Armut zu belassen.

Doku Empfehlung: „Ausgeliefert. Leiharbeiter bei Amazon“

„Jedes Jahr zur Hochsaison wirbt Amazon Deutschland tausende Wanderarbeiter aus dem Ausland an. Für viele Spanier ist der Ruf nach Deutschland in Zeiten der Eurokrise wie ein Lottogewinn.
Was die Arbeiter tatsächlich erwartet, ist eine böse Überraschung. Nicht Amazon legt ihnen in Deutschland einen Vertrag vor, sondern eine Leiharbeitsfirma. Deutlich weniger Lohn als bei der Anwerbung in Spanien versprochen, nach Feierabend stundenlanges Warten auf den überfüllten Bus, der sie über zig Kilometer Autobahn in ihre Unterkunft bringen soll. Sie leben zu zweit auf engstem Raum in einem zu dieser Jahreszeit verlassenen Ferienpark.
Hier führt ein Sicherheitsdienst ein Regime, das auf Einschüchterung setzt und immer wieder in die Privatsphäre der Arbeiter eindringt. Wer sich wehrt, fliegt raus. Fristlos.“ (Quelle: daserste.de, siehe http://tinyurl.com/d93fhgz)

Am Mittwoch lief in der ARD eine Dokumentation über die Arbeitsbedingungen der Leiharbeiter bei Amazon.
Ich hab mein Konto zwar schon Ende 2010 gelöscht, nachdem Amazon seine Vertragsbeziehungen mit Wikileaks gekündigt hatte, aber seitdem überlege ich immer wieder daran mir doch wieder ein Konto zu holen, weil Amazon so unglaublich praktisch und unglaublich günstig ist.
Nach dieser Dokumentation weiß ich, wieso ich definitiv KEIN Konto bei Amazon haben möchte.
Es ist zwar eine Frechheit, dass sowas in Deutschland überhaupt möglich ist und in erster Linie ist dafür die deutsche Politik zuständig, aber genauso wie ich denke, dass wir VerbraucherInnen eine Eigenverantwortung tragen, tragen auch die großen Konzerne eine Eigenverantwortung, bis dass die Politik die entsprechenden Weichen stellt.

Wer sich dafür interessiert, die Dokumentation gibt es auf Youtube.
Bei Wikipedia finden sich dazu noch diverse andere Kontroversen in Bezug auf Amazon.
Wenn man sein Konto bei Amazon löscht, kann man ihnen eine Email schreiben, wieso man das tut. Damit hat man zumindest die Möglichkeit, den Firmen zu zeigen, dass man solche Bedingungen nicht unterstützen möchte und sich andere Bedingungen wünscht.